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veröffentlicht am 10.06.2020

Eine Chance auf Erholung

Während die industrielle Fischerei fehlende Kontrollen während der Corona-Krise ausnutzten, lassen sich die Fischer im Senegal die Ausbeutung ihrer Gewässer nicht gefallen und protestierten gegen neue Lizenzen für industrielle Fischer. Greenpeace setzt sich seit langem gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung gegen die industrielle Fischerei ein, die die Lebensgrundlage der Menschen und die artenreichen Meere bedroht. Jetzt entschied der Fischereiminister in Sinne der lokalen Fischer.

Spanischer Langleinenfischer im Südatlantik

Zu den großen Gefährdungen gesunder Meere gehört neben Klimaerhitzung und Verschmutzung durch Industrie und Ölförderung auch die industrielle Fischerei: Ihre rücksichtslosen Methoden wie Langleinen- und Schleppnetzfischerei führen dazu, dass 90% der Speisefischbestände als bis an die Grenze genutzt oder überfischt gelten – es werden mehr Fische gefangen als nachwachsen können. Neben den Speisefischen geraten aber auch zahlreiche andere Tiere als „Beifang“ in die Leinen und Netze und werden einfach verletzt oder tot wieder von Bord der Schiffe geworfen. Das führt unter anderem dazu, dass sechs von sieben Arten von Meeresschildkröten bereits stark gefährdet sind.

Während auf der hohen See Kontrollen kaum stattfinden, schützen viele Länder die Bestände in ihren Hoheitsgewässern. Doch das Aussetzen von Kontrollen infolge der Quarantänemaßnahmen wegen Covid-19 führte dazu, dass die profitgierigen Konzerne ihre Flotten teilweise nachts in die Hoheitsgewässer eindringen ließen, wie u.a. in Argentinien beobachtet wurde. Aber auch staatlich legalisierte Fischerei ist eine Bedrohung, denn Konzerne versuchen vor allem von armen Ländern Lizenzen für die Ausbeutung ihrer Gewässer zu erwerben. Die lokalen Fischer stehen dann vor erschöpften Beständen, verlieren ihr Einkommen und somit ihre Lebensgrundlage.

Das drohte auch dem Senegal. Bei der Regierung wurden Lizenzen für 52 Industrieschiffe beantragt, in senegalesischen Gewässern zu fischen. Darunter waren auch einige, die zuvor in illegale und unregulierte Fischerei verwickelt waren. Die Lizenzvergabe wäre verheerend, wie Lukas Meus, Meereskampaigner bei Greenpeace, erklärt: „Die Gewässer vor Westafrika ein ganz besonderes Ökosystem. Sie sind ein Hotspot der Artenvielfalt und Lebensraum von Meeresschildkröten, Seekühe, Rochen und Walhaien. Doch die industrielle Fischerei hat diese Gewässer jahrzehntelang verwüstet“.

Protest der Fischer im Senegal

Doch die Fischer wollten das nicht zulassen. In einer wochenlangen Kampagne gemeinsam mit Greenpeace, die letztes Wochenende in Demonstrationen an acht Orten gipfelte, protestierten hunderte von lokalen FischernInnen, FischverarbeiterInnen und Freiwilligen. In ihren roten Masken überbrachten sie Botschaften gegen die Plünderung ihrer Gewässer.

Der Protest hatte Erfolg: Am 8. Juni, dem internationalen Tag der Meere, lehnte der senegalesische Fischereiminister Alioune Ndoye die Lizenzanträge ab. „Der heutige Tag markiert einen Meilenstein im Kampf für wirtschaftliche und ökologische Gerechtigkeit in Westafrika", so Lukas Meus, Meereskampaigner bei Greenpeace. „Die internationale Fischereiindustrie versuchte, die COVID-19-Sperren zu nutzen, um die Meere für weitere Ausbeutung zu öffnen, aber gemeinsam mit Fischereiverbänden und der Zivilgesellschaft hielten wir dagegen. Das war wichtig. Denn die industrielle Fischerei fischt den Menschen in Westafrika das Essen von ihren Tellern und zerstört den Lebensraum von vielen Meerestieren.“

Die Entscheidung von Minister Ndoye trägt dazu bei, den Lebensunterhalt der Küstengemeinden zu sichern und gibt dem Ozean eine Chance, sich zu erholen, nachdem die industrielle Fischereiindustrie drohte, die Fischbestände des Senegal weiter zu dezimieren.

Weltweit für den Meeresschutz

Doch der Einsatz ist noch nicht zu Ende. Greenpeace wird sich weiterhin für eine regional-nachhaltige Fischerei in den westafrikanischen Gewässern einsetzen. Die westafrikanischen Regierungen müssen einen regionalen Managementplan aufstellen, der sowohl für das Überleben der marinen Umwelt notwendig ist, als auch für Ernährungssicherheit von Millionen von Menschen in Afrika. Dies inkludiert auch das Ende der Fischmehl – und öl Produktion, die für den menschlichen Verzehr verwendbar wäre.

Greenpeace setzt sich außerdem für ein starkes und historisches Hochseeschutzabkommen ein, das vermutlich 2021 von der UNO ausverhandelt wird. Ein starkes Abkommen würde nicht nur ein großflächiges Netzwerk an Meeresschutzgebieten ermöglichen, sondern auch wirkungsvolle Kontrollen auf den Meeresgebieten außerhalb von Hoheitsgebieten, der sogenannten „Hohen See“ ermöglichen. Diese Gebiete machen zwei Drittel der Meeres- und fast die Hälfte der Erdoberfläche aus. Momentan sind nur rund zwei Prozent der Meere geschützt. Der Grund dafür: Bis heute gibt es kein globales Gremium, das Meeresschutzgebiete in vielen Teilen der Hohen See beschließen kann. Damit sich die Meere erholen können, sind aber laut Wissenschaft mindestens 30 Prozent notwendig. Ein starkes Hochseeschutzabkommen könnte dies ändern.

Zum Einsatz von Greenpeace gehört es, mit Schiffen auf den Meeren zu forschen und Umweltverbrechen direkt zu konfrontieren. Die gesammelten Informationen werden von Medienprofis einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht und dienen den ExpertInnen von Greenpeace bei internationalen Verhandlungen als Rückhalt, um die Stimme der Umwelt zu sein.

Solche Erfolge werden durch die UnterstützerInnen von Greenpeace ermöglicht. Ihre Spende ermöglicht unseren AktivistInnen und ExperInnen, überall auf der Welt im Einsatz zu sein und an der Seite von einheimischen Gemeinschaften für den Schutz der Ozeane zu kämpfen.

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