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veröffentlicht am 04.07.2019

Liegt der Ursprung des Lebens in der Tiefsee?

Im Ozean leben jenseitige, ausserirdische und bizarre Arten, die unsere Phantasie anregen und uns staunen lassen: Riesenasseln, geleeartige Blobfische, seltene Quallen, schlüpfrige Schleimaale, haarige Hummer und fast alles andere, was man sich vorstellen kann.

Kein Wunder, dass Hollywood für seine Science-Fiction-Filme so oft auf Monster, Landschaften und Geheimnisse aus der Tiefsee zurückgreift. Schliesslich ist uns der Meeresgrund fremder als die Mondoberfläche.

Interessanterweise halten es einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für möglich, dass das Leben auf unserem Planeten just auf dem Meeresboden entstanden ist.

Entdeckung der Hydrothermalquellen

Damit geeignete Bedingungen für die Entstehung des Lebens herrschen, könnten hydrothermale Tiefseequellen eine wichtige Rolle spielen. Über kaminartige Öffnungen stossen sie erhitztes Wasser und chemische Substanzen in den Ozean aus. Sie befinden sich weit unterhalb der Reichweite des Sonnenlichts, in einem Bereich ohne Sauerstoff. Sie bilden sich dort, wo Kontinentalplatten aufeinandertreffen, aufgrund der Hitze des Erdinneren, die durch den Meeresboden drückt.

Hydrothermale Tiefseequellen wurden erst 1977 entdeckt. Sie verblüfften die Wissenschaft mit ihren hoch aufragenden Kaminen und den wunderlichen Tierarten, die in ihrer Umgebung leben. Riesige Röhrenwürmer, bakterienfressende Krabben und andere surreale Kreaturen gedeihen irgendwie in der Tiefsee, und sammeln sich um die «rauchenden» Säulen, die überhitztes, mineralreiches Meerwasser ausstossen.

Diese Entdeckung stellte alles auf den Kopf, was die Menschen über die Entstehung des Lebens auf der Erde dachten. Umso mehr als im Jahr 2000 «alkalische» Hydrothermalquellen entdeckt wurden. Unter basischen Bedingungen, ähnlich wie schwach konzentriertes Javelwasser oder Natron, schien es noch unwahrscheinlicher, das überhaupt Leben entstehen konnte. Und doch geschah es.

Ist Lost City die echte Ursuppe?

Das bekannteste Hydrothermalfeld ist «Lost City», eine Ansammlung von Schloten, Türmen und Kaminen, die bis zu 120’000 Jahre alt sein könnte.

Forschungen zeigen, dass diese Tiefseequellen Kohlenwasserstoffe bilden, also jene Moleküle, die Grundbausteine des Lebens auf der Erde sind. Könnte es sein, dass das Aufeinandertreffen von Chemikalien und Mineralien im überhitzten Meerwasser an Stellen wie Lost City tatsächlich zur ersten Entstehung von Leben geführt hat? Ist das die echte Ursuppe?

Die ehrliche Antwort auf diese Frage lautet: Wir wissen es noch nicht. In den vergangenen Jahrzehnten waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bemüht, Lost City zu erforschen und besser zu verstehen.

Aber während die Forschung weiterhin versucht, diese Fragen zu klären, ist die Industrie auf den Meeresboden aufmerksam geworden, dessen Mineralien und Metalle nun genutzt werden sollen.

Monstermaschinen stehen bereit

Wir wissen nicht viel über die Tiefsee, und wir wissen noch weniger über die schwer zugänglichen Hydrothermalquellen. Obwohl sie unter extremen chemischen und physikalischen Bedingungen Bestand haben, scheinen sie dennoch sehr anfällig und fragil.

Doch noch bevor die Wissenschaft begonnen hat, erste Erkenntnisse über Lost City zu produzieren, droht dieser bemerkenswerten Umgebung Gefahr. Konzerne, die Mineralien aus der Tiefsee gewinnen wollen, könnten sie für immer beschädigt oder gar zerstören.

Bereits wurden Lizenzen für Suchbohrungen mit Monstermaschinen erteilt. Damit könnten solche Orte vernichtet werden, bevor sie überhaupt erforscht sind.

Weckruf

Der Rohstoffrausch in der Tiefsee, bevor wir diese überhaupt wissenschaftlich verstehen, muss ein Weckruf sein.

Es ist nicht so, dass die Öffentlichkeit nach der Ausbeutung des Meeresbodens ruft, nur damit wir ein weiteres, zweifelhaftes Produkt produzieren können (besonders da Konzerne nicht einmal willens sind, die bereits vorhandenen Rohstoffen zurückzunehmen und zu recyceln). Wir bedrohen nicht nur die einzigartige Meeresfauna, sondern könnten diese Orte auch für immer zugrunde richten.

Deshalb wird die Pol-zu-Pol-Reise von Greenpeace diesen Sommer nach Lost City führen, in Begleitung der Wissenschaftlerin, der dieses Wunder der Tiefsee entdeckt hat. Wir wollen den Ort besuchen, um mehr über seine Geheimnisse zu erfahren. Und wir stehen für den Schutz und gegen die Ausbeutung von Lost City ein.

Hat das Leben auf der Erde wirklich in der chemischen Ursuppe um die hydrothermalen Tiefseequellen begonnen? Wir wissen es nicht. Was aber klar ist: Wir schädigen bereits genug Arten und Lebensräume, und wir haben keinen legitimen Grund, die fragile Tiefsee und all die wunderbar seltsamen Meereslebewesen dort zu zerstören.

Schliessen Sie sich der Kampagne von Greenpeace zum Schutz von Orten wie Lost City an, und verlangen Sie, dass die verletzlichsten und wichtigsten Bereiche unserer Meere dem Zugriff von zerstörerischen Industrien entzogen werden:


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