Grausamkeit aus Gleichgültigkeit

Wie die Ölindustrie die Wale bedroht

Die großen Meeressäuger gehören zu den wunderbarsten Lebewesen auf unserem Planeten. Einige von ihnen sind auch die größten, die je auf der Erde gelebt haben. Und sie erfüllen eine besondere Rolle für unsere Ökosysteme: Sie „düngen” den Meeresboden, so dass das Wachstum von Phytoplankton gefördert wird – und das ist wesentlich für die Fähigkeit der Meere, das Klima zu regulieren und Sauerstoff herzustellen.

Doch jahrhundertelange Bedrohung hat die Wale stark dezimiert. Und die Ölindustrie dringt weiter rücksichtslos in ihre Gebiete ein. Jetzt sucht sie vor Argentinien nach Öl – mit den für Meerestiere besonders gefährlichen seismischen Untersuchungen.

Seismische Untersuchungen

Trotz der Klimaerhitzung sucht die Ölindustrie immer noch nach Öl. Unter Wasser geschieht das mithilfe von seismischer Exploration. Dabei zieht ein Erkundungsschiff Druckluftkanonen hinter sich her, die alle 8-20 Sekunden unter Wasser feuern. Wenn die Druckluftblasen platzen, entstehen explosionsartige Geräusche, die über 250 Dezibel (dB) hinausgehen können. Dieser Lärm kann eine Fläche bis zu 300.000 km² abdecken, also etwa die Größe Deutschlands.

Die Schallwellen erreichen den Meeresboden, dringen in ihn ein und werden reflektiert. Aus der Art dieser Reflexionen lassen sich Karten des Bodens erstellen und Aufschluss über seine Zusammensetzung gewinnen.

Unfassbarer Lärm

Der Lärm der Schallkanonen ist unfassbar laut – es gibt in unserem Alltag nichts, was vergleichbar wäre: Selbst Feuerwerksexplosionen oder startende Düsentriebwerke in unmittelbarer Nähe erreichen nur etwa 120-130 Dezibel, weit weniger als die 250 dB der Schallkanonen. Dabei täuscht die Dezibelskala auch noch, denn sie ist nicht linear, sondern logarithmisch. Das bedeutet, dass ein Wert von z.B. 40 dB ist nicht nur doppelt so laut wie ein Wert von 20 dB ist, sondern hundertmal so laut.

Der Lärm von Schallkanonen lässt sich am ehesten mit dem Start einer Weltraumrakete in unmittelbarer Nähe vergleichen. Solche Geräusche machen nicht nur taub, sie wären für Menschen tatsächlich lebensgefährlich.

Und sie können natürlich auch das Gehör von Unterwassersäugern zerstören.

Orientierungslos, isoliert und gestrandet

Meeressäuger wie Wale, Delfine und Robben brauchen ein gutes Gehör: Sie verwenden einerseits Schallwellen zur Orientierung unter Wasser mittels sogenannter „Echoortung” (ein ähnliches Prinzip wie es den seismischen Explorationen zugrunde liegt). Andererseits kommunizieren sie als soziale Tiere mit ihren ArtgenossInnen über Töne – die berühmten „Walgesänge” mit ihrer unerklärlichen Schönheit sind ein Beispiel dafür, oder auch die schnatternden Laute der Delfine.

Deshalb ist Unterwasserlärm katastrophal für Meeressäuger. Er kann zu Stress und Hörschäden führen, die Tiere orientierungslos machen, ihnen die Fähigkeit zur Nahrungssuche nehmen und sie sogar stranden lassen können. Unter gestrandeten Delfinen und Zahnwalen haben Untersuchungen gezeigt, dass viele einen hochgradigen Hörverlust erlitten hatten.

Ein Ende der Erholung

Einen deutlichen Beleg für die Gefährlichkeit der seismischen Untersuchungen lieferte eine Studie, die im Golf von San Jorge bei Argentinien über Wale und Delfine durchgeführt wurde.

Die Zahl der Wale war dort über einen Beobachtungszeitraum von 20 Jahren kontinuierlich gestiegen. Doch dieser Anstieg hörte 2009 abrupt auf: Denn in diesem Jahr führte das Explorationsschiff Western Patriot im Dienst von Pan American Energy seismische Untersuchungen durch.

Die Zahlen sind eindeutig: 2008 wurden 144 Wale von den ForscherInnen erfasst. Doch 2009 waren es nur 74, und 2010 wurden überhaupt nur noch 33 gesichtet. Auch die Zahl der Paarungsgruppen war stark gesunken, von 14 im Jahr 2008 auf nur zwei im Jahr 2010. Es dauerte daraufhin sieben Jahre, bis der Aufwärtstrend in der Walpopulation zurückkehrte.

Immer noch gefährdet

Jahrhundertelange brutale Ausbeutung hat die Wale an den Rand der Ausrottung gebracht. Seit 1972 setzte sich Greenpeace dafür ein, ihre Bejagung zu stoppen – mit Erfolg: Seit 1986 ist der kommerzielle Walfang verboten. Seitdem geht es mit den Walen wieder bergauf.

Doch die Erholung ist langsam. Denn Wale sind langlebige Tiere, die teilweise jahrzehntelang wachsen müssen, bevor sie fortpflanzungsfähig sind. Doch profitgierige Industrien kümmert das nicht. Sie wollen die Meere ausbeuten, ohne Rücksicht auf Tiere wie die Wale. Für sie zählt der Profit heute, nicht was morgen geschieht.

Die Bedrohung der Wale durch seismische Untersuchungen ist eindeutig. Es ist unmenschlich, die Meeressäuger noch einmal so zu bedrohen, wenn sie sich noch kaum von Jahrhunderten der Überjagung erholt haben. Und es ist ein Irrsinn, dies für Öl zu tun, das wir in Zeiten der Klimakrise nicht mehr aus dem Boden holen sollten.


Wir müssen diese Grausamkeit stoppen! Die Wale und Delfine Argentiniens brauchen unsere Hilfe. Bitte unterzeichnen Sie jetzt unsere Petition.

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Stoppt die Ölexploration vor Argentinien!

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Petitionstext

Stoppt die Ölexploration vor Argentinien!

Vor der Küste Argentiniens bahnt sich eine Katastrophe an: Konzerne wollen dort Öl und Gas fördern – bei einem Nahrungs- und Wanderungsgebiet einiger der wichtigsten Arten der Meere: Unter anderem sind dort Orcas, der südliche Glattwal, Delfine, Pinguine, Seelöwen und Seeelefanten zuhause.

Bereits die Suche ist eine tödliche Gefahr. Denn sie verwendet „Schallkanonen”, um aus der Reflexion der Schallwellen Aufschluss über die Beschaffenheit des Meeresbodens und damit mögliche Ölvorkommen zu gewinnen. Diese Kanonen sind neben Unterwasser-Explosionen die lautesten Schallquellen im Meer. Ihr Lärm ist vergleichbar mit Raketenstarts und breitet sich über hunderte Kilometer aus. Der hohe Schalldruck kann das empfindliche Gehör von Meeressäugern, das sie zum Überleben brauchen, langfristig schädigen. Dies führt dazu, dass sie orientierungslos sind und verenden können.

Und wenn die Ölförderung tatsächlich beginnt, sind die Tiere der permanenten Gefahr kleiner und großer Öllecks ausgesetzt. Eine größere Ölpest würde sich über hunderte Kilometer ausbreiten; bei vergangenen Ölkatastrophen konnte immer nur ein Bruchteil des Öls abgeschöpft werden.

Daher stelle ich fest:

Es ist nicht zu verantworten, Wale und andere Meeressäuger leichtfertig solchen Gefahren auszusetzen. Die Wale haben sich noch nicht von Jahrhunderten der Überjagung erholt, alle Tiere leiden bereits unter Plastikverschmutzung, industrieller Fischerei und Klimaerhitzung. Weitere Gefahren sind nicht zu vertreten.

Es ist in Zeiten der Klimakrise unverantwortlich, weitere Ölvorkommen zu erschließen. Wenn wir eine katastrophale Erwärmung verhindern wollen, brauchen wir einen raschen Umstieg auf erneuerbare Energien, keine weitere Verbrennung fossiler Energieträger.

Deshalb fordere ich einen sofortigen Stopp der Ölexploration vor der argentinischen Küste.

Wir dürfen die Wale und die anderen Tiere nicht gefährden.


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